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M041 - La Constructomanie - La Chapelle russe ä Paris

M041 - La Constructomanie - La Chapelle russe ä Paris

  • Bestellnummer: M041
  • Autor: Marcel Vagné
  • Schwierigkeitsgrad:  1
  • Selbständige Einzelteile: 1
  • Anzahl Bogen: 1
  • Größe:  37.8 x 50.0 cm 
  • Sprache: d
  • Massstab:
 
La Constructomanie - La Chapelle russe ä Paris
 

Schwarze Feder-Kreidelithographie, schablonenkoloriert in 7 Farben l Bogen 37,8 x 50 cm.

Marcel Vagne Editeur, Pont-ä-Mousson um 1861, Neuauflage vor 1885 Aus der Sammlung WDN

Der seit 1860 beim Lithographen AVaguentrta/(tl880) angestellte Geschäftsführer Marcel Vagne(t 1901) übernahm 1880 Druckerei und Verlag mit den gesamten Bestand an Lithographensteinen und Kolorierschablonen. Seit 1900 nannte sich das Geschäft Marcel Vagne et ses fils. Der eine Sohn Louis führte von 1903-1918 die Firma allein weiter, während der andere Sohn die Imagerie de Jarville (Vagne fils) in Jarville-Nancy gründete. Seit 1860 hatte Hagenthal fein gezeichnete und sorgfältig kolorierte Modellbaubogen - gedruckt als Kreide-Federlithographien - herausgegeben. Nach der Übernahme der Firma wechselte Marcel Vagne bei Neuauflagen den Namen Haguenthal gegen Vagne aus. Aber noch 1885 wurden Bogen unter dem alten Namen verkauft.

russisch-orthodoxe kathedrale st. alexander newskij, 12 rue daru, paris. Die Einweihung der Kathedrale erfolgte am 12. September 1861. Initiator des Baus war der Geistliche der russischen Botschaft in Paris Joseph Vassiliev. Die Finanzierung erfolgte mit Spenden aller russisch-orthodoxen Gemeinden und 150 000 französischen Franken von Zar Alexander II (1818-1881). Die Pläne stammten vom Chefarchitekten am Zarenhof Roman Kusmin, die örtliche Bauleitung lag in den Händen von Strohm, beides Mitglieder der Akademie der Schönen Künste in St. Petersburg. Die Kathedrale ist dem russischen Großfürsten und Nationalheiligen Alexander Newskij (1220-1263) geweiht. Der Grundriss bildet ein griechisches Kreuz, das Mosaik über dem Eingang mit dem thronenden Christus ist byzantinisch und die fünf Pyramidendächer mit ihren vergoldeten Zwiebelkuppeln und den orthodoxen Kreuzen sind russisch. So kann der Stil der Kirche als byzantinisch-moskovitisch bezeichnet werden.

Nach der russischen Revolution suchten viele Menschen Schutz in Paris. Die Kathedrale wurde Ort von regelmäßigen Treffen russischer Flüchtlinge. Und später Sitz des Erzbischofs der russisch-orthodoxen Kirchen Westeuropas. Das Modell erweckt den Eindruck eines freistehenden Gebäudes. In Wirklichkeit ist die Fassade mit dem Eingang nur von der rue Pierre le Grand ganz einzusehen. Warum über dem Eingangsvorbau im Modell ein vollplastischer Christus unter einem freistehenden Bogen thront, anstelle des Mosaiks, ist nicht bekannt. Möglich ist, dass die Christusplastik ursprünglich geplant war, später aber aus Kostengründen nicht ausgeführt wurde und das Modell nach dem ursprünglichen Projekt gestaltet wurde.

Dieter Nievergelt

 

Reprint herausgegeben vom Arbeitskreis Geschichte des Kartonmodellbaus (AGK)
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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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