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102 - Vom bösen Wolf und den sieben Geisslein

102 - Vom bösen Wolf und den sieben Geisslein

  • Bestellnummer: 102
  • Autor: Heinrich Pfenninger
  • Schwierigkeitsgrad: ab 6 J.
  • Selbständige Einzelteile: 20
  • Sprache: d
  • Massstab:

Kennst du das schöne Märlein vom bösen Wolf und den sieben Geisslein? Mit diesem Modellbogen kannst du es spielen.

Da steht unsere alte Geiss. Sie trägt einen Korb am Rücken und hält einen Rechen in der Pfote. Natürlich, sie will in den Wald, um Futter zu holen für ihre sieben jungen Geisslein. Jedes hat ein gefrässiges Maul. Ungeduldig meckern alle, weil sie Hunger haben. In den Wald ist es ja nicht so weit. Aber die Mutter geht nicht gerne von zu Hause weg. Dann da gibt es den bösen Wolf, der so gerne junges Ziegenfleisch frisst. Wenn er jetzt käme, wenn die Mutter nicht daheim ist! Mutter Geiss schüttelt besorgt ihren Kopf. Sie meckert ihre Kinder herbei. Sie will mit ihnen reden.

Jetzt sind alle da. Auch das Kleinste. Liebe Kinder, sagt die Geissenmutter, bald sollt ihr euer Futter haben. Ich hol's gleich im Walde. Hütet euch daheim vor dem bösen Wolf! Er ist schlau! Er kann an die Türe klopfen und hereinkommen wollen. Vielleicht bettelt er und lügt. Nicht auftun! Das wäre euer Tod! Die Geisslein hören gut zu. Sie versprechen: Der Wolf wird draussen bleiben. Wir lassen ihn nicht herein. Zufrieden geht die Mutter in den Wald.

Nach einer Weile poltert es an der Türe. Wer ist's? Draussen ruft jemand: Öffnet ruhig, ich bin eure Mutter, jedes soll etwas Gutes bekommen. Das ist sicher der Wolf! ängstigen sich die Geisslein. Diese tiefe Stimme! Die Türe bleibt verschlossen. Der Wolf trabt knurrend zum Krämer. Er lässt sich etwas Kreide abwägen und macht damit seine Stimme fein. Nachher klopft er wieder an der Türe. Die Geisslein hören's drinnen. Sie äugen scharf zum Fensterlein. Dort liegt ja eine schwarze Pfote. Die gehört bestimmt dem Wolf! Also nützt die hohe Wolfsstimme nichts. Wieder schleicht der Wolf weg. Wohin? Erst zum Bäcker: Streich mir Teig auf diese Pfote! Dann zum Müller: Streich mir bitte Mehl darauf! Mit dem weissen Fuss täuscht der Wolf die dummen Geisslein. Die Türe öffnet sich.

Oh, der Wolf ist da! Wie fahren alle zusammen! Der böse Kerl zeigt die Zähne. Wupp, sind alle geflohen, eines unter den Tisch, eins hinters Bett, eins hinter den Ofen, eins in die Küche nebenan, eins in den Schrank, eins sogar unter den Wascheimer und das letzte, das kleinste, ins Kästlein der Wanduhr. Der Wolf sucht alle, schluckt sie nacheinander in seinen Rachen. Das Kleinste aber findet er nicht. Dann schleicht er sich weg. Draussen legt er sich faul unter einen Baum. Jetzt schnarcht er schon.

Die Mutter kehrt zurück. Die Stube ist leer. Welche Unordnung! Geisslein! Liebe Geisslein! Wo seid ihr nur? Mutter Geiss findet ihr Jüngstes im Uhrkasten. Es erzählt vom Wolf! Wo ist er denn? Draussen beim Baum! Dort schläft er fest. Was tut die gute Mutter? Mit einer Schere schneidet sie dem Bösewicht den dicken Bauch auf. Zappelnd kommen die Geisslein hervor. Keines hat Schaden gelitten. Jetzt schleppen sie Steine herbei. Der Wolfsbauch füllt sich und wird zugenäht. Wolf, schlaf nur weiter!

Endlich erwacht er. Durstig wackelt er zum nahen Brunnen. Plumps! Was ist geschehen? Dummer Wolf, du bist vornüber ins Wasser geplumpst. Du musst im Brunnen dein Leben lassen! Hei, wie alle Geisslein vor Freude tanzen, weil der böse Wolf ertrunken ist und nur noch seine Beine aus dem Brunnen streckt.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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