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218 - Freistehender  Weihnachtsbaum

218 - Freistehender  Weihnachtsbaum

  • Bestellnummer: 218
  • Autoren: Rolf Arnold Müller
  • Schwierigkeitsgrad: ab 6 J.
  • Selbständige Einzelteile: 1
  • Sprache: d+f
  • Massstab:
  • Dieser Bogen ist vorgestanzt und vorgerillt.

Freistehender  Weihnachtsbaum

Wissenswertes zum Weihnachtsbaum

Der Weihnachtsbaum als christlicher Brauch ist erst etwa 500 Jahre alt. Aufgekommen ist er im Elsass, und von da aus vebreitete er sich in den ganzen deutschsprachigen Raum, später auch in die anderen europäischen Länder und nach Übersee. Wer hat ihn „erfunden“? – Das weiss man nicht. Vermutlich geht er auf ältere Bräuche zurück, die heidnische Wurzeln haben. Schon sehr früh haben die Menschen gewisse Bäume verehrt und sie bei bestimmten Festen geschmückt. Heute noch gibt es vielerorts den „Maibaum“ im Frühling, der auf dem Dorfplatz aufgestellt wird, oder den „Richtbaum“ auf dem  noch nicht gedeckten Dach eines neu erstellten Hauses, mit dem man die baldige Vollendung des Bauwerks feiert und Glück für die zukünftigen Bewohner erbittet. In den Anfängen hat man den Weihnachtsbaum mit Äpfeln, Nüssen, Oblaten (dünnes Gebäck) und Zuckerzeug geschmückt, erst später kamen die Kerzen dazu, die damals teuer waren, noch später die Glaskugeln, das Lametta, die Goldfäden, kleine Spielwaren und anderes mehr. Heute kann man sich Weihnachten ohne Weihnachtsbaum kaum mehr vorstellen. Überall stehen sie herum, die geschmückten Tannenbäume, oft schon im November: in Schaufenstern, Einkaufszentren, Kinderkrippen und Altersheimen. Natürlich auch zuhause, in der guten Stube. Allein in Deutschland werden jährlich 30 Millionen solcher Bäume gekauft, vor allem die dauerhaften Nordmanntannen. In Europa darf man auch echte Kerzen darauf stecken und anzünden, was z.B. in den USA verboten ist. Dafür haben die Amerikaner einen offiziellen „Nationalen Christbaum“, den mit 82 m zweithöchsten Riesenmammutbaum der Welt. Der wird aber nie geschmückt – im Gegensatz zu unseren viel kleineren Tannen und zum vorliegenden Baum aus Karton, wie du auf der Rückseite dieses Blattes bald erfahren wirst.


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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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