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901 - Werkheft I: Tischkärtchen aller Art

901 - Werkheft I: Tischkärtchen aller Art

  • Bestellnummer: 901
  • Autoren: div.
  • Schwierigkeitsgrad: ab 9 J.
  • Selbstständige Einzelteile:
  • Sprache: d
  • Massstab:

Tischkärtchen sind scheinbar ganz nebensächliche Diener in einem gastfreundlichen Hause. Gibt es doch ungleich wichtigere Dinge zusammenzutragen, wenn eine Tafel festlich gedeckt werden soll.

Trotzdem besinnt sich die kluge Gastgeberin jeweils Stunden vor dem Eintreffen der Gäste schon, wen sie diesmal neben wen setzen wolle. Sie weiss eben, dass die richtige Platzanweisung bereits ein erster Schritt zur Gemütlichkeit sein kann.

Wer aber zaubert die notwendigen Kärtchen rechtzeitig her? Mutter kennt glücklicherweise ihre werklustigen Sprösslinge genau. Wirst allenfalls du von ihr zu diesem Hilfsdienst aufgefordert, dann erkundige dich sogleich, ob sie rein festliche Kärtchen erwarte, oder ob diese fröhlich oder gar neckisch sein dürften. All dies wäre nämlich möglich.

Wo holt sich aber in der Eile ein so Beauftragter die nötigen Ideen her? Unser Werkheft möchte hier zum vielseitigen Anreger werden. Die zahlreichen Vorschläge sind all jenen Gelegenheiten nach aufgereiht, die sich im Laufe eines Jahres etwa ergeben könnten. Betrachte sie als Anregungen. Es wird dir leicht fallen, die gezeigten Muster zu verwirklichen. Hut ab, falls dein Können aber noch weiter reicht und du fähig bist, unsere einfachen Pläne reicher auszubauen.

Dem Arbeitsvorschlag jeder oberen Blatthälfte ist eine genaue Anleitung mit Massangaben beigefügt. Darüber hinaus bringt die untere Blatthälfte jeweils einen ähnlichen Vorschlag für Geübte, die keine besondere Anleitung mehr benötigen.

Vielleicht helfen unsere Vorschläge aber auch jenen jungen Bastlern, die eigene Gratulations- oder Geschenkkärtchen entwerfen möchten.

Verwende als Material stets einen postkartendicken Halbkarton. Er ist als Bogen in jeder guten Papeterie oder Druckerei erhältlich. Meist verwendet man weissen Halbkarton; er wird von den Fachgeschäften aber auch in zarten Farbtönen geführt.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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