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00714 - Puppenbogen - Seebad, Atelier, Vivarium

00714 - Puppenbogen - Seebad, Atelier, Vivarium

  • Bestellnummer: 00714
  • Sprache: d
  • Schwierigkeitsgrad: 0
  • Anzahl Bogen:  6.5 

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    Puppenbogen - Seebad, Atelier, Vivarium
    Ankleidepuppen

    Puppenbogen haben eine lange Tradition. Eine Figur ausschneiden und vielleicht an Holzklötzchen kleben, damit sie stehen kann, sie nach Belieben mit Kleidern ausstatten, das faszinierte vor hundert Jahren vor allem Mädchen. Und schon damals freute man sich besonders an Figuren aus der besseren Gesellschaft und besonders natürlich von Königs- und Fürstenhäusern. So konnte man ein bisschen am Leben der Schönen und Reichen teilhaben. Es liegt nahe, dass die Ankleidepuppen zu jeder Zeit etwas vom Stil der Epoche zeigen, das Leben der Menschen, ihr Gedankengut und ihre Träume widerspiegeln. Für einen Bogen, der sich mit „Negerkindern“ in Kolonien beschäftigte, würde man sich heute schämen, aber er zeigt das Denken der Zeit. Da liegt uns heute eine Papier-Lady Di schon näher, genauso wie die Filmstars Marilyn Monroe oder Romy Schneider.
    So richtig verbreiten konnten sich die Puppenbogen erst, als die Drucktechnik die Herstellung in Massen möglich machte. Denn ein niedriger Preis war die Grundvoraussetzung, dass breite Schichten sich den Kauf leisten konnten. Vielleicht kann man die Zeit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert als eine Hochzeit der Puppenbogen ansehen. Denn damals konnten schon sehr hochwertige Drucke hergestellt werden, die später in ihrer Schönheit und Sorgfalt der Herstellung vielfach nicht mehr erreicht wurden.
    Waren es vor Jahrzehnten nur die Mädchen, die sich mit den Ankleidepuppen beschäftigten, so sind es heute vielfach auch erwachsene Frauen, die sich darüber freuen, dass es dieses Spielzeug aus ihrer Kinderzeit noch gibt. Übrigens sollen Papier-Ankleidepuppen auch die Idee für die Barbie-Puppen geliefert haben. Als die Tochter der Erfinderin sich damit beschäftigte, hätte sich Ruth Handler davon inspirieren lassen und die Idee entwickelt, eben kein Mädchen als Puppe darzustellen, sondern eine Figur, die wie ein Filmstar aussah. Mit dem Welterfolg von Barbie hat ihr Stil dann wieder die Gestaltung der Puppenbogen beeinflusst.
     
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    Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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